"Und Himmelfahrt ist Vatertag...

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yuri-arcurs-1...da ham wa vier Daach frei“, heißt es in einem Lied der kölschen Band Bläck Föös. „Frei haben“ und sich mit Kumpels ordentlich abschießen, sind wohl die beiden häufigsten Assoziationen zum Ehrentag der Väter.

Was an Muttertag selbstverständlich ist – Danke sagen mit Aufmerksamkeiten, lieben Worten und Präsenten – scheint an Vatertag undenkbar: Kein Kindergarten, keine Grundschule lässt für die Papas basteln; und die nutzen die Gelegenheit gerne zum Besäufnis unter Männern. Wenig Ehre allerorten... Das finde ich schade, und deshalb habe ich ein paar Coach-Kollegen gebeten, Ihre persönlichen Antworten auf folgenden Frage zu formulieren:

Diesen Donnerstag ist Vatertag. Was geht Dir als Sohn da durch den Kopf? Welche Wünsche und Erinnerungen gibt es?

Stephan Gerd Meyer (46)
www.horseandsoul.de

Mir geht heute durch den Kopf wie schwierig es ist, meinem Vater mit dem passenden Geschenk eine Freude zu machen - was am Muttertag mit einem Strauß Blumen so einfach ist! Dabei stelle ich fest, dass mein Vater sich weniger über Geschenke als über die unmittelbare Aufmerksamkeit freut, wenn ich ihn anrufe, besuche oder einlade. Und dann ist es gut, beisammen zu sein - ohne Geschenke, mit wenig Worten und soviel Herzensnähe wie möglich.

Hans Heß (56)
www.flextrain.de

Wir, mein Vater und ich waren oft im Wald. Er ging selten markierte Wege mit mir, oft querfeldein, vielleicht verlasse ich daher auch heute noch die eingefahrenen Wege so gerne.

Jeden neuen Karl-May-Film musste er mit mir sehen, wir sind dann auf seinem Heinkel-Roller in die nahe Kreisstadt gebraust, den Wind in den Haaren, um unsere Helden zu sehen. Manchmal schaue ich mir heute auch noch Western an, richtige Kerle und Helden - wo sind sie geblieben? :-)

Ich wollte ihm immer gerne "gefallen", er hat mich bei seinen Freunden gelobt, nicht mich selbst, das hat mir nicht gefallen. Ich hätte es mir anders gewünscht und lebe dies heute als Vater auch bewusst anders.

Ich glaube er hätte sich sein Leben manchmal anders gewünscht, war jedoch "gefangen". Ich bin froh, dass ich "ein gutes Leben" erwischt habe und das tue, was ich liebe. 

Dr. Constantin Sander (50)
www.mind-steps.de

Mir geht als Sohn durch den Kopf, dass ich viel zu wenig von den beruflichen Erfahrungen meines Vaters profitiert habe. Warum? Weil ich sie nicht erfahren wollte, als ich die Chance dazu gehabt hätte. Übermorgen wäre er 85 Jahre alt geworden.

Michael Lüdeke (34)
michaelluedeke.com

Ganz besonders heute wird mir bewusst, welch positiven Einfluss mein Vater auf mein Leben gehabt hat und noch immer hat. Unbewusste Werte, das langjährige Vorbild, Gesten, Sätze, ein wenig die Stimme. Als Kind habe ich ihn noch verkannt, als Erwachsener kann ich ihn nicht genug ehren und mich bei ihm bedanken. Mir wird immer erst bewusst, was ich für ein Glück hatte, mit ihm und meiner Mutter, wenn ich Freunde und Bekannte von mir Weihnachten planen höre: "Den ersten Weihnachtstag bin ich bei meiner Mutter, den zweiten bei meinem Vater und seiner neuen Freundin."

vatersohnFür mich sind all diese Erinnerungen aber nicht nur Vergangenheit, sondern süße Gegenwart. Denn was macht mein Vater in den letzten Wochen, Monaten und Jahren? Er interessiert sich mehr und mehr für meine Themen, will wissen, welche Inhalte meine Coaching-Ausbildung hatte, möchte meinen Job verstehen, hört sich von mir Beschreibungen von Kunden hat, von schwierigen Situationen und feiert meine Erfolge, wie nicht einmal ich sie feiern könnte, wenn ich sie mit seinen Augen sähe.

Das ist wunderbar.

Er ist der Barkeeper meiner eigenen Wunder-Bar, der mir immer wieder auf’s Neue meinen Erlebniscocktail mischt und mit regelmäßigen Geschmacksexplosionen meine Sinne schärft.

Auf das, was wichtig ist im Leben.

Familie.

Freunde.

Die Liebe in den Menschen.

Und was wünsche ich mir?

Dass jeder Leser einen Teil meines Papas auch in seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinem Onkel oder seiner Tante findet.

Oder zumindest nie aufhört, danach zu suchen. 

Harald Berenfänger (45)
www.maennlichkeit-bewegt.com


Als kleiner Junge habe ich es geliebt, meinen Vater an seinem Arbeitsplatz zu besuchen. Unten an der Tür dem Pförtner stolz zu sagen, dass ich jetzt meinen Vater abhole und dann aus dem 9. Stock über die Kölner Innenstadt zu blicken. Und heute – bald vierzig Jahre später – bin ich stolz, wenn mein Sohn mich zu meiner Arbeit begleitet und hinterher sagt, dass er es klasse findet, wie ich das mache.

Wie so viele in meiner Generation hätte ich mir im Nachhinein mehr Bevaterung gewünscht – zugleich liegt hier auch ein Grundstein für meine heutige Arbeit als Männercoach. Alles hat seinen Sinn bzw. wir können allem einen, unseren eigenen Sinn geben.

Was ich mir wünsche? Ein immer stärkeres Aufeinanderzugehen. Meinen Vater lassen zu können, wo ich uneins mit ihm bin und nie zu vergessen, was er mir ermöglicht hat.

Neulich hatte ich ein Foto in der Hand: Mein Vater, ich und mein Sohn. Das hat etwas Magisches. Und obendrein ist mein Opa gegangen, als mein Sohn zur Welt kam – Staffelübergabe auf metaphysische Weise. Und ich mittendrin. Es ist großartig, Vater zu sein und einen Vater zu haben.

Foto oben: © Yuri Arcurs - Fotolia.com
Foto unten: © Pavel Losevsky - Fotoli.com

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